06 Dialog - Kommunikation im Zeitalter der Medienökologie

 
F.A.Q. Wieso stößt der Dialoggedanke in Deutschland auf besonders starke Widerstände? (Unterschiede zwischen den einzelnen Kulturen/Ländern)

Je länger und intensiver sich die Buchkultur und damit das Konzept der interaktionsfreien Massenkommunikation in einem Land etabliert hat, desto größere Widerstände sind gegen das alternative Konzept des rückkopplungsintensiven Gesprächs zu erwarten.

Deutschland hat den Buchdruck zuerst und am radikalsten eingeführt und das Medium am stärksten mystifiziert (Gutenbergfeiern).

In den übrigen europäischen Ländern konnte sich das typographische Medium im Konkurrenzkampf mit den anderen Medien und Kommunikationsformen nicht überall so stark durchsetzen. So weisen Kulturhistoriker regelmäßig auf die größere Bedeutung des Gesprächs und der leiblichen Kommunikationsmedien (Gestik, Mimik) in den südeuropäischen Ländern hin.

Amerika hat den Buchdruck praktisch erst 200 Jahre später flächendeckend eingeführt. Die elektronischen Medien: Telegraph, Rundfunk, Film, Fernsehen und dann auch der Computer traten vergleichsweise früher in Konkurrenz zur interaktionsarmen Massenkommunikation und haben es nicht zugelassen, dass die Konzepte der Buchkultur den Alleinvertretungsanspruch durchsetzen konnten, den sie in Zentraleuropa (noch) besitzen.

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