06 Dialog - Kommunikation im Zeitalter der Medienökologie

Fliesstext    Der Dialog als zeitgemäßes Kommunikationskonzept

Die Einführung des Dialogkonzepts und anderer selbstreflexiver und rückkopplungsintensiver Kommunikationsformen ordnet sich in die große gesellschaftliche Aufgabe unserer Gegenwart ein, ein zeitgemäßes Konzept von Informationsverarbeitung, von gesellschaftlicher Vernetzung und von Information und Wissen zu finden. Wir müssen klären, welche Kommunikation wir als Kultur prämieren wollen. Und hier muss die Hierarchie zwischen vorhandenen technischen und natürlichen Medien und Kommunikationsformen neu bestimmt werden. Gerade auch die Orientierung auf Multimedialität lässt die 'face-to-face'-Kommunikation in einem neuen Licht erscheinen. Zweifellos sind alle Formen technisierter, multimedialer Informationsverarbeitung bislang nur ein hagerer Sonderfall derjenigen Möglichkeiten, die das Gespräch von Angesicht zu Angesicht unter Nutzung aller leiblichen Medien bietet. Nach Epochen der einseitigen Förderung der Technik als kulturellem Problemlöser und von marktwirtschaftlichen und hierarchischen Vernetzungsformen verlangt die kulturökologische Waage nach Gegengewichten im Medium des Dialogs. Dies bedeutet kein Absehen von Technik, sondern die Orientierung der Technik auf das dialogische Gespräch, die Organisation der Informationsgesellschaft als ein Netz, in dem relevante Schaltstellen als Interaktionssysteme gestaltet sind.

Der Dialog als Übergangsobjekt

Nachdem viele Hoffnungen, die sich an die Einführung elektronischer Rechner und technischer Netze knüpften, wie Seifenblasen zerplatzt sind, kommt die Vision des Dialogs gerade recht. Der Dialog gilt gegenwärtig als eine "der Erfolg versprechendsten Methoden, eine erstarrte, verkrustete Gesellschaft und deren Institutionen wieder in Bewegung zu bringen" (Heiner Benking/Farah Lenser). Er empfiehlt sich als Übergangsobjekt auf dem Weg in eine unbekannte, aber jedenfalls riskante Zukunft. Wie die Übergangsobjekte in den Ablösephasen der kindlichen Entwicklung, so sollten auch kulturelle Übergangsobjekte einerseits bekannt und bewährt sein, zugleich aber sollten sie auch Wege in die Zukunft weisen und dorthin mitgenommen werden können. Wir kennen die Gruppengespräche und viele Elemente des Dialogs aus unserem Alltag, wir wissen, dass die Gespräche von Angesicht zu Angesicht auch für die Zukunft so wichtig wie die natürlichen Ressourcen bleiben werden. Und wir erkennen im langfristigen Entwicklungsgang unserer Kultur eine Logik, zumindest die Tendenz einer wachsenden Bedeutung rückkopplungsintensiver multimedialer Kommunikationsformen. Das dialogische Gespräch erfüllt alle im Augenblick absehbaren Voraussetzungen für ein zentrales Kommunikationsmedium der zukünftigen Informationskultur.

Gliederung: Ziele und Leistungen des Dialogs                    Gliederung: Widerstände gegen die dialogische Kommunikation und andere Fragen

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