06 Dialog - Kommunikation im Zeitalter der Medienökologie |
Dialoge als Gespräche
Alle Technisierung hat bislang die Sinne eher auseinandergerissen und zu ihrer Vereinseitigung geführt. Die Ansätze zu ihrer Integration sind dürftig. Wirklich multimedial ist seit Anbeginn der Menschheit nur eine Kommunikationssituation - das unmittelbare Gespräch von Angesicht zu Angesicht zwischen zwei oder mehreren Menschen. Diese Kommunikation ist immer multisensuell, multimedial, und sie kann die Vielfalt an Informationen, die für die menschliche Kultur wichtig sind, wieder zusammenfassen. Dieses einfache Interaktionssystem hat bislang allein die erforderliche Komplexität, um die unterschiedlichen Informationstypen wieder zusammenzuführen und ineinander zu übersetzen.
Seine Bedeutung als Integrationsinstanz wächst in dem Maße, in dem durch die Technisierung monomediale Informations- und Kommunikationssysteme entstanden sind.
Es verhält sich auf dem Felde der Informationsverarbeitung genauso wie mit jeglicher
Arbeitsteilung. Je mehr sie vorangetrieben wird, desto stärker wird der Aufwand und die
Notwendigkeit, sie wieder zusammenzuführen. Ab einem bestimmten Punkt zahlt sich
Differenzierung überhaupt nicht mehr aus, weil der Planungs- und Integrationsaufwand zu
groß wird. Dieser Punkt scheint auf dem Felde der Informationsverarbeitung schon vielfach
erreicht.
Gesucht wird deshalb nach Medien, die ausdifferenzierte Prozessoren und Informationstypen
wieder zusammenführen können. Das in dieser Hinsicht aussichtsreichste Medium ist das
rückkopplungsintensive Gespräch (ð vgl. das Modul 09:
Mythen & Ökuloge).
Dies soll nicht heißen, dass Technisierung und Spezialisierung in den nächsten Jahrzehnten aufhören werden. Nur, je mehr sie fortschreiten, umso deutlicher wird das Fehlen einer geeigneten Integrationsinstanz sichtbar werden. Unsere Informationsverarbeitung und Kommunikation hat sich disproportional entwickelt - und eben deshalb wäre eine stärkere Betonung der Ressourcen von natürlicher sozialer Informationsverarbeitung angebracht. So gesehen ist die Rede vom Jahrhundert des Gesprächs eine zeitgemäße medienpolitische Schwerpunktsetzung.
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