06 Dialog - Kommunikation im Zeitalter der Medienökologie |
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Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Dialogen und anderen Kommunikationsformen |
Der Dialog grenzt sich von Lehrgesprächen und argumentativen Diskursen dadurch ab, dass er seinen Schwerpunkt auf die Selbstreflexion legt. Dadurch besitzt er von vornherein große Ähnlichkeiten mit therapeutischen Zweier- und Gruppengesprächen, 'sensitivity trainings' und den vielen weiteren Formen individueller und kollektiver Selbsterfahrung, die in den letzten Jahrzehnten ausprobiert wurden. Im Gegensatz zu den klassischen Formen der Therapie (Psychoanalyse, Gestalt- und Gesprächstherapie) und den Selbsterfahrungsgruppen geht es jedoch nicht um die Aufdeckung psychischer Strukturen, um die Selbsterkenntnis der Person als biographisch gewordenes einzigartiges Individuum. Es dreht sich auch nicht in erster Linie um die Erkenntnis von sozialen Beziehungen, seien es nun Zweierbeziehungen wie in der Einzeltherapie oder Gruppenstrukturen wie in den Gruppentherapien. Selbst die großen visionären Experimentatoren mit Gruppen, Kurt Lewin und Jacob Levy Moreno, haben ihre Gruppen als soziale Systeme betrachtet. Sie nutzten die Gruppengespräche, um die Rolle der Individuen in sozialen Systemen zu klären. Im Rahmen von Organisationsentwicklungsmaßnahmen dienten die Gruppenexperimente als Spiegel der sozialen Einrichtungen, und sie ermöglichten insofern eine soziale Reflexion sozialer Strukturen.
Die spezifische Leistung des Dialogs liegt demgegenüber m. E. darin, dass er sich nicht auf die Erkundung psychischer und/oder sozialer Systeme sondern von kulturellen Netzwerken konzentriert. Insbesondere muss von artverschiedenen Kommunikatoren bzw. Programmen ausgegangen und das Fließgleichgewicht zwischen ihnen respektiert werden. Die vergleichsweise einfachen Konzepte psychischer und sozialer Systeme müssen hierzu durch Modelle multimedialer kommunikativer Ökosysteme ersetzt werden. Selbstwahrnehmung der beteiligten Individuen und/oder Rollen, Professionen etc. erscheint dann nur als ein Medium der Selbstwahrnehmung von Kulturen, seien dies nun Unternehmen, Verbände, Schichten, Staaten, Regionen usf.
Oder anders: Der Dialog wird nur dann einen spezifischen Leistungsbereich neben den anderen selbstreflexiven Gesprächsformen finden, wenn er als Spiegel von Kulturen, als Instrument kollektiver Reflexion, kollektiver Normen und als Vernetzungsmedium zwischen den Menschen und den Kulturen funktioniert.
Diese Orientierung auf Synästhesie und das Zusammenwirken artverschiedener
Informationsmedien bringt den Dialog in größere Nähe zu den
Gesprächskreisen, die der ungarische Arzt und Psychoanalytiker Michael Balint
Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre in London ins Leben rief. Die 'training-cum-research'-Gruppen dienten der Erkundung des Verhältnisses zwischen
psychischen, körperlichen und sozialen Strukturen. Sowohl der Mensch als auch
die ärztliche Sprechstunde wurden, ohne diesen Ausdruck zu gebrauchen, als
ökologische Netzwerke verstanden.![]()
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