06 Dialog - Kommunikation im Zeitalter der Medienökologie

Zusammenfassung    Überblick über die Methoden von Dialogen

Der Dialog besitzt viele Wurzeln,Schema: Wurzeln des Dialogsund entsprechend nutzt er auch praktisch das gesamte Methodenrepertoire, welches in selbstflexiven Führungs- und Beratungssettings entwickelt wurde.

Das MIT Projekt stellt 4 Dialogkompetenzen in den Vordergrund:

     Voicing,
     Listening,
     Respecting und
     Supending.Schema: Die 4 Dialogkompetenzen (Voraussetzungen und Ziele): voicing - listening - respecting - suspending    Excerpt: Die 4 grundlegenden individuellen Kompetenzen von DialogteilnehmerInnen: voicing - listening - respecting - suspending

Bei Carl Rogers (klientenzentrierte Gesprächsführung) werden die drei ersteren Kompetenzen als Empathisches Zuhören, Echtheit und positive Wertschätzung eingeführt.

Die Methode der freischwebenden Aufmerksamkeit und der Selbstreflexionen von Übertragungs- und Gegenübertragungsreaktionen, die zum Basisinstrumentarium der Psychoanalyse zählen, ermöglicht es, Entscheidungen, Urteile, Bewertungen ... in der Schwebe zu halten (Suspense).

Wie in allen Gruppengesprächen geht es auch im Dialog darum, einen gemeinsamen Wissensraum für alle Teilnehmer (Speicher, Container, Phantasma, Marktplatz) zu schaffen.

Die aus der Supervision und der Balintgruppenarbeit bekannte Verknüpfung von Selbst- und Umweltwahrnehmungen - und überhaupt das Prinzip des Programmwechsels - gilt auch für die Dialoge.

Ebenso die konsequente Nutzung von Spiegelphänomenen und der kommunikativen Kooperationsform 'Erzählen' als Medium der Informationsgewinnung und -auswertung.Excerpt: Prinzipien und Methoden der Balintgruppenarbeit
Dialoge vertrauen nicht nur auf die Sprache, sondern sie setzen auch kreative andere Medien (Psychodrama, Raumsoziogramme, Skulpturen, Beziehungsbrett ...) ein.Beispiel: Kreative Medien im Dialog    Beispiel: Dialoge als multimediale Inszenierung: Kreative Medien
Aus der gruppendynamischen Tradition wird das Konzept der Minimalstrukturierung übernommen. Dialoge sollen im wesentlichen selbstorganisiert ablaufen. Gesteuert wird durch die Einrichtung des Settings- und - zurückhaltend - durch einen Dialogbegleiter.Excerpt: Die Aufgaben des Dialogbegleiters
Jeglicher äußere Zwang, ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen, schränkt die Selbstregulationsmöglichkeiten ein. Die fehlende Vorgabe von Ablaufschemata (Aufgabenkaskaden) führt anfangs zu Verunsicherungen im Gruppenprozess.Schema: Phasen des Dialogs
Sie erleichtert andererseits den Wechsel zwischen Chaos und Ordnung, der eine Bedingung für die Emergenz neuen Wissens und neuer sozialer Strukturen ist.

Besonders nachdrücklich weist D. Bohm darauf hin, dass jeglicher Konkurrenzkampf, jegliche Überzeugungs- oder Überredungskunst für die Ziele des Dialogs untauglich sind. Rhetorik und Argumentationslehren gehören nicht zum Methodenrepertoire des Dialogs.Excerpt: Maximen der Dialoggestaltung
Die Methoden des Dialogs sollen auf Dauer von allen Teilnehmern gelernt und als Grundhaltungen auch außerhalb des Dialogsettings genutzt werden. Sie gelten als kommunikative Schlüsselqualifikationen.Zusammenfassung: Die zehn Kernfähigkeiten im Dialog
Das Setting der Dialoge soll so organisiert werden, dass sie mikroskopisch die Struktur und Dynamik des Makrokosmos der zu erkundenden Kultur widerspiegeln.Fliesstext: Dialoge als Mikrokosmos des kulturellen Makrokosmos

Gliederung: Dialog - Gesamtgliederung                    Gliederung:  Methoden des Dialogs

06 Dialog\Zusammenfassung\Überblick über die Methoden von Dialogen

zurück

Suspense

"Unsere Annahmen zu suspendieren heißt, auseinander zu halten, welche Schlussfolgerungen unsere Gedanken gezogen haben und welche Daten der Beobachtung vorliegen. Es geht darum, den zugrundeliegenden gedanklichen Prozess zu reflektieren, der zu einer bestimmten Schlussfolgerung führte."


Aus:  M. und J. F. Hartkemeyer/L. Freeman Dhority: Miteinander denken. Das Geheimnis des Dialogs, Stuttgart 1998, S. 66/7

zurück

Container schaffen

"Will man derartige Prozesse ermöglichen, braucht man in einer Gruppe einen gemeinsamen Vertrauensmann, einen 'Container'. Man muss einen Container so gestalten, dass die Qualität der kollektiven Aufmerksamkeit lebendig bleibt und die üblichen Projektionen und Reaktionen offengelegt und überprüft werden können, so dass die Teilnehmer den 'Grund des Sees, in dem sie schwimmen', erkennen können."


Aus:  M. und J. F. Hartkemeyer/L. Freeman Dhority: Miteinander denken. Das Geheimnis des Dialogs, Stuttgart 1998, S. 66/7

zurück

Verknüpfung von Selbst- und Umweltwahrnehmung

"Im Dialog wird versucht, beide Ebenen der Aufmerksamkeit zu kultivieren, die reflexive Aufmerksamkeit und die propriozeptive Aufmerksamkeit, die beschrieben werden könnte als 'Aufmerksamkeit für das, was man tut, während man es tut'. Unsere gedanklichen Prozesse bewegen sich aber zu schnell, oder wir nehmen uns nicht die Zeit um wahrzunehmen, welche Kräfte dort tätig sind."


Aus:  M. und J. F. Hartkemeyer/L. Freeman Dhority: Miteinander denken. Das Geheimnis des Dialogs, Stuttgart 1998, S. 66/7

zurück

Eigene Programme in Frage stellen

"Ziel ist es, die Menschen zu befähigen, sich sicher zu fühlen, ihre eigenen defensiven Strategien und ihre begrenzenden Muster bei sich selbst und anderen in Frage zu stellen, Kenntnisse darüber zu erwerben und anzuwenden, wie sich die Umgebung dieses Feldes verändert und Energien für die Erkundung freisetzt."


Aus:  M. und J. F. Hartkemeyer/L. Freeman Dhority: Miteinander denken. Das Geheimnis des Dialogs, Stuttgart 1998, S. 66/7